Architektur muss brennen

Am 18. März 2015 wird das neue Gebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt a. M. eröffnet. Der Entwurf stammt von den Wiener Architekten coop Himmelb(l)au. Als Teil einer breiteren Architekturbewegung verschrieben sie sich in den späten 1960ern einem Projekt der Auflösung von Architektur: weg vom statischen Objekt hin zum dynamischen Raum mit pneumatischen Zellen und aufblasbaren Kugeln. Diese Auflösung der Architektur auf dem Papier nimmt vorweg, was sich in den Jahrzehnten darauf entwickeln wird: die Finanzialisierung des Kapitalismus und die Ausweitung der Mehrwertabschöpfung in den menschlichen Beziehungen selbst.
Als die Auflösung der Architektur nicht gelingen mochte, forderten coop Himmelb(l)au 1980 zornig, dass Architektur brennen müsse. Doch später versöhnten sie sich mit dem Bauen und die aus den Fugen geratene Welt lebte nun als dekonstruktives Symbol in ihrer Architektur fort. Inmitten der Finanzkrise errichtete das Büro Himmelb(l)au nun einen Bau für einen mächtigen Steuerungsapparat europäischer Finanzströme.
In welchem Verhältnis lässt sich architektonische Form und politische Gegenwart deuten? Welche Rolle spielen Architekt*innen darin? Und wie bezieht sich die Symbolpolitik des Baues auf seine materiellen Bedingungen?

Es diskutieren: Kerstin Stakemeier (Kunsttheoretikerin, Berlin/München) und Robert Burghardt (Architekt, Berlin)

Informationen
Podiumsdiskussion
von
mit Kerstin Stakemeier und Robert Burghardt

Datum & Uhrzeit

06.03.2015 - 19:00

Ort

Adalbertstr. 4
Galerie 1. OG (Aufgang beim Café Kotti)
Berlin