Demokratie - die süßeste Versuchung seit es Politik gibt?

Rosa Luxemburg schrieb 1918 in ihrer berühmten Kritik an der Politik der Bolschewiki nach der Oktober-Revolution: "Wir unterschieden stets den sozialen Kern von der politischen Form der bürgerlichen Demokratie, wir enthüllten stets den herben Kern der sozialen Ungleichheit und Unfreiheit unter der süßen Schale der formalen Gleichheit und Freiheit - nicht um diese zu verwerfen, sondern um die Arbeiterklasse dazu anzustacheln, sich nicht mit der Schale zu begnügen, viel mehr die politische Macht zu erobern, um sie mit neuem sozialem Inhalt zu füllen."

Und Peter Alexander sang 1952: "Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere, nur weil die Bäume hoch sind und diese Tiere groß sind. Die süßesten Früchte schmecken mir und Dir genauso." Er schloß daran die fatalistische Botschaft an: "Doch weil wir beide klein sind, erreichen wir sie nie."

Wir nun wollen bei diesem Workshop-Tag fragen,

ob sich die "politische Form der bürgerlichen Demokratie" wirklich so einfach von dem "herben Kern" der kapitalistischen Ökonomie abschälen und unverändert in eine nach-kapitalistische Gesellschaft verpflanzen, d.h.: mit "neuem sozialem Inhalt [...] füllen" läßt, wie Rosa Luxemburg meinte,

oder ob die Metaphorik von Kern und Schale nicht vielmehr davon ablenkt, daß die "bürgerliche Demokratie" gerade die politische Ideal-Form der kapitalistische Ökonomie ist.

 

13:30 h - 16:00 h: Workshop 1: Wie dumm waren wir damals - in den 20er Jahren und im 'langen Roten Jahrzehnt' von Ende der 60er bis Ende der 70er Jahre?

Ein untaugliches Prinzip - Demokratie-Kritik der Kommunistischen Linken (die Sinistra Comunista und Amadeo Bordiga [1889- 1970]). Input von interkomm

Warum die Form immer noch wesentlich ist. - Mit Lenin (1870 - 1924) den Demokratie-Essentialismus kritisieren. Input von Detlef Georgia Schulze

Die Materialität ernst nehmen. Mit Poulantzas die Revolution durch, mit und gegen den Staat denken. Input von N.N.

16:00 - 16:30 h: Kaffeepause

16:30 - 18:30 h: Workshop 2: Sind wir heute soviel schlauer?

Radikal, aber nicht revolutionär? - Zum Konzept der radikalen Demokratie. Input von aze*

Zur Kritik freiraum-gradualistischer Konzeptionen von Vergesellschaftung und direkter Demokratie. Input von Rüdiger Mats

18:30 - 19:30 h: Essenspause

19:30 - 21:30 h: Abschluß-Diskussion: Herrschaft und Ausbeutung abschaffen - geht das demokratisch?

Als 2011 in Spanien die Rede von der democracia real aufkam, was die deutsche occupy-Szene als "echte Demokratie" übersetzte, waren sich viele Linke einig, daran konstruktiv-kritisch anzuknüpfen und zu ergänzen: "Echte Demokratie - das geht aber nur ohne Kapitalismus". Wir wollen zum einen fragen, ob "konstruktiv-kritisch" kritisch genug ist, und zum anderen, ob die Überwindung von Herrschaft und Ausbeutung mit Demokratie identisch oder jedenfalls auf demokratische Weise möglich ist.

Anna Dohm: Warum / unter welchen Bedingungen ist (kann) direkte Demokratie mehr als eine selbstverwaltete Insel im Ozean des Kapitals (sein)?

Fast Forward Hannover: Warum Antikapitalismus etwas anderes als echte Demokratie ist

Interkomm: Warum Antikapitalismus nicht eine Frage der demokratischen Mehrheit, sondern der Macht und des Kräfteverhältnisses ist!

Informationen
Workshoptag
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Datum & Uhrzeit

26.01.2014 - 13:30

Ort

Mareschstr. 1
Berlin