Die Mauer muss weg!

Fight Fortress Europe!
Antinationales Flimmern im Urbanhafen Berlin

Die einen heulen Korokodilstränen, wir trinken Cocktails mit Schlingensief und lachen mit Dennis!

Am 13. August 2011 werden der 50. Jahrestag des Mauerbaus und die Mauertoten betrauert. Deutschland kann sich mal wieder dem nationalem Opferkult hingeben, während übers Wochenende Hunderte vor der Festung Europa ertrinken. Dass die öffentliche Moral beim nationalen Bedürfnis beginnt und auch endet, zeigt sich aktuell wieder in der Debatte über Flüchtlinge: Armut, Flucht und Vertreibung werden im deutschen Mainstream, wenn überhaupt, nur als humanitäres Problem wahrgenommen. Dabei sind sie ein Resultat des kapitalistischen Weltmarks und der globalen Ordnungspolitik kapitalistischer Staaten. Die haben sich in dieser Welt nach ihren Interessen eingerichtet, und sorgen zur Not mit militärischer Gewalt für einen reibungslosen Geschäftsgang. Angela Merkel: "Wir werden den Terrorismus und die organisierte Kriminalität und die illegale Einwanderung gemeinsam bekämpfen." Und natürlich jede Gefährdung der internationalen Handelswege.

Anders als bei flüchtigen DDR-Bürger_innen 1989, die zum deutschen Kollektiv gezählt wurden, wird diesmal der Wunsch nach Sicherheit und einem materiell verbesserten Leben nicht anerkannt. Es gelten andere Kriterien, nur wer dem Standort nützt, darf hier überhaupt rein. Viele unserer Mitbürger_Innen teilen sicherlich das selbstgefällige Ressentiment Horst Seehofers, Deutschland dürfe "nicht das Sozialamt für die ganze Welt werden“. Aus nationalem Interesse heraus arbeitet die Bundesrepublik seit 1992 mit einem verschärften Asylrecht. Die sogenannte Drittstaaten-Reglung verhindert, dass Flüchtlinge überhaupt einen Asylantrag stellen können. Denn wer über einen vermeintlich "sicheren Drittstaat" eingereist ist, wird einfach dort hin abgeschoben. Welche Staaten "sicher" sind, entscheidet Deutschland natürlich selbst.

Was für Deutschland gilt, gilt auch für die Europäische Union. 2003 forderte Umberto Bossi, Minister der Regierung Berlusconi: "Schießt die kleinen Boote doch ab, bevor sie in italienische Gewässer gelangen!" Zwei Jahre später wurde Frontex eingerichtet, die „Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen“. Operative Zusammenarbeit bedeutet die Abschottung der europäischen Land- und Seegrenzen mit modernster Technik und Bewaffnung. Flüchtlinge und Migrant_innen werden so zu lebensgefährlichen Einreiseversuchen gezwungen. Auf dem Landweg über die Türkei und Griechenland erwartet sie hinter einem Minenstreifen eine militärisch gesicherte Grenze. Auf hoher See sind in den letzten Monaten über zweitausend von ihnen ertrunken oder verdurstet. Frontex schleppt Flüchtlingsboote zurück aufs offene Meer, überstellt Flüchtlinge ihren Verfolgerstaaten, oder lässt sie in nordafrikanischen Auffanglagern festsetzen. Wer es bis nach Deutschland schafft, muss in überfüllten Lagern von 40 Euro Taschengeld im Monat leben oder sich "illegal" etwas dazuverdienen, und ist dem Alltagsrassismus der Mehrheitsgesellschaft ausgeliefert.

Wir denken, dass bürgerliche Freiheit eine ganz schön zwanghafte Sache ist. Ihre alltäglichen Zumutungen werden auch nicht besser, wenn man sie mit den Staatszwängen des Realsozialismus vergleicht. Der siegreiche Kapitalismus hat weltweit neue Ohnmacht und neue Verzweiflung produziert. Er macht den meisten Menschen das Leben zur Qual, selbst den besser gestellten. Kapitalistische Freiheit bedeutet Herrschaft des Markts und seiner staatlichen Aufsichtsorgane, ein zugerichtetes Leben für Lohnarbeit, Kapitalverwertung, Konkurrenz und nationalen Vorteil. Deswegen sind wir nicht nur gegen Ausgrenzung, sondern auch gegen "Integration" - in einen bürgerlich-kapitalistischen Alltag, der auf systematischer Ausgrenzung beruht. Wir wünschen uns eine vernünftige, solidarische Gesellschaft, und nennen sie Kommunismus.

Statt rührseliges nationales Mauergedenken gibt's Open-Air-Kino gegen Deutschland, präsentiert in Zusammenarbeit mit dem hedonistischen Wackelberry Floßkino. Kommt zu Bananencocktails, Bier, Splatter („Das Deutsche Kettensägenmassaker“) und unfreiwilliger Komik ("Deckname Dennis"). Für Deutschland nur Ekel und Ironie.

Das Kino-Floß legt im Urbanhafen an.

20.30 Uhr
Agit-Prop-Clips gegen Integration und Ausgrenzung

Gegen 21 Uhr
Das Deutsche Kettensägenmassaker (OmEU)

Gegen 22 Uhr
Deckname Dennis

Informationen
FilmvorfĂĽhrung
von

Datum & Uhrzeit

13.08.2011 - 20:30

Ort

Carl-Hertz-Ufer
10961
Berlin