Feministische Perspektiven auf die Krise

Vorbereitung für blockupy – 31.5/1.6 in Frankfurt/M.
mit Katharina Pühl, Sofia Kousiantza, Anna Dohm u.a.

n vielen Analysen der Finanzkrise taucht die Organisation des Alltags nicht auf. Und dort, wo es überhaupt um Arbeits- und Lebensverhältnisse geht, werden oftmals alte Spaltungslinien wieder erneuert: Im Zentrum steht dann die Lohnarbeit, während Leben in der Erwerbslosigkeit, das Auskommen ohne Arbeitserlaubnis oder die unbezahlte Reproduktionsarbeit nicht mit der Krisensituation in Verbindung gebracht werden. Mit unserer Veranstaltung wollen wir feministische Perspektiven auf die Krise diskutieren und untersuchen, inwiefern wir es mit einer Krise der sozialen Reproduktion zu tun haben – und welche Fragen sich daraus für die politische Praxis stellen.
Zunächst rücken wir die ökonomischen Widersprüche, die zur Krise führen und die gesellschaftlichen Zusammenhänge, die die Reproduktionskrise bedingen, in den Blick. Oder: Reproduktionskrise ist der zugespitzte Widerspruch zwischen Reproduktionskosten und Profitmaximierung. So darf im Kapitalismus die soziale Reproduktion der Menschen nicht zu viel kosten, denn diese Kosten belasten die Profitrate. Dass damit gleichzeitig die Kaufkraft geschwächt wird und der Kapitalismus sich seine eigene Quelle der Wertproduktion entzieht, nämlich die Arbeitskraft, scheint zweitrangig. Vor allem aber: Mit einem Wirtschaften, das tatsächlichen Bedürfnissen und Versorgung gerecht wird, hat das wenig zu tun.
Dann geht es genauer um Transformationen der sozialen Reproduktion: Welche Veränderungen haben sich in Kinderbetreuung, Familienmodellen, Hausarbeit, Pflege, Gesundheit oder Bildung über die letzten Jahrzehnte ergeben? Welche Wechselwirkungen bestehen zwischen den Feldern Arbeitsmarktpolitik, Sozialpolitik und Geschlechterpolitik? Welche sozialen Ungleichheiten gehen damit einher? Und welche verschiedenen Artikulationsbedingungen von Menschen mit unterschiedlichen sozialen Positionierungen?
Anschließend verdeutlichen wir den Zustand der sozialen Reproduktion an Hand von Schilderungen aus Athen: Was heißt es genau, wenn den Menschen nur noch wenig bleibt, ihr bisheriges Leben in der Form nicht mehr fortsetzbar ist und eine soziale und gesundheitliche Grundversorgung ins Wanken gerät?
Zu guter Letzt fragen wir nach der politischen Praxis: Wie können momentan als privat wahrgenommene gesellschaftliche Bereiche, in denen die Reproduktionsarbeiten zum Teil  unsichtbar stattfinden, repolitisiert werden? Wie kann das „Private ist Politisch“ neue Aktualität bekommen? Bieten im Care-Bereich Streikmobilisierungen, wie in Krankenhäusern, eine Perspektive? Oder stellt sich damit ein alter Fokus auf Lohnarbeitskämpfe wieder her und bleibt so die private Reproduktionsarbeit weiter in der Unsichtbarkeit? Kurzum: Welche Handlungsoptionen führen zu einer Care Revolution? Nach vier kurzen Statements würden wir gern mit Euch diskutieren.

Informationen
Podiumsdiskussion
von

Datum & Uhrzeit

22.05.2013 - 19:30

Ort

Wildenbruchstr. 96
12045
Berlin
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