Google Campus & Co verhindern

Block bei WIDERSETZEN

Mittlerweile twittern es die Vögel von den Dächern: Die Tech-Industrie kommt nach Berlin und mit ihr prekärere Jobs, Selbstausbeutung und steigende Mieten. Ein Testballon dafür ist der Google Campus in Kreuzberg. Es soll der siebte in der „Campus Family“ werden, zumindest wenn es nach Googles Mutterkonzern Alphabet und dem Berliner Senat geht. Google selbst bewirbt seinen Campus als Ort der Vernetzung, des Mentorings und als Brutstätte großer Ideen für junge UnternehmerInnen und Start-up-People. Dabei behauptet der Konzern, er selbst würde nur die Räumlichkeiten stellen und den Kaffee aufsetzen – mit den explodierenden Mieten und der täglichen Verdrängung soll das nichts zu tun haben.

Vamos a la Player – Google angehen

Aber warum soll man gegen schlechten Kaffee und ausstehenden Burnout einiger JungunternehmerInnen auf die Straße gehen, während Menschen ihr Zuhause verlieren? Es stimmt: Zahlreiche Initiativen und Zusammenschlüsse organisieren sich bereits entlang eigener Wohnbelange, andere skandalisieren behördliche Willkür oder kritisieren die repressive und marktkonforme Umgestaltung des öffentlichen Raumes. All dies zurecht. Viele von ihnen werden wir auf der „Widersetzen“-Demo am 14.4. in Berlin – der Stadt, in der die Mietpreise seit 2008 um 76 Prozent in die Höhe geschnellt sind – treffen. Wenn also der Kapitalismus uns auf so viele Arten das Leben schwermacht, warum dann gerade „Google Campus & Co“ verhindern?

There is no such thing as free WiFi

Die Räumlichkeiten des Google Campus und der Wunsch des Senats, den Stadtteil Kreuzberg in ein Tech-Hub umzubauen, wird den Prozess der Gentrifizierung weiter anheizen. Andere Städte wie London, Madrid oder Warschau haben hier vorgelegt: Mit dem Einzug des Google Campus sind die Mieten in der jeweiligen Umgebung gestiegen. Denn wer den Google Campus wie gewünscht nutzt, wird auch die Mittel aufbringen müssen, möglichst nah dran zu wohnen – von weiteren großen Unternehmen über hippe Tech-Start-ups bis zu jenen digitalen NomadInnen, die gerne in einem solchen unterkommen würden. Die sich bereits vollziehende Verdrängung in Kreuzberg wird also weiter voranschreiten.
Der Ausgangspunkt dieser Dynamik ist jedoch nicht bei Google, der Factory Kreuzberg oder Online-Händlern wie Zalando zu suchen. Entgegen der alltäglichen Vorstellung ist Wohnraum im Kapitalismus eben nicht die vier Wände, in die man sich zurückzieht, die man dekoriert und in denen man rumhängt, sondern immer und zu allererst eine Ware – und das heißt: Spekulationsobjekt und Investitionsgut. Ziel von Grundstückskauf, Bau und Vermietung ist nicht die Bedarfsbefriedigung der Bevölkerung, sondern der Profit. Wer die Miete nicht zahlen kann, den setzt die Hauseigentümerin mit Hilfe des Staates per Zwangsräumung vor die Tür. Mietsteigerung, Wohnungsmangel, Verdrängung und zuletzt Obdachlosigkeit sind die notwendigen Konsequenzen des kapitalistischen Irrsinns. Die allgegenwärtige und steigende Obdachlosigkeit in Berlin ist das sichtbare Zeichen dafür, dass, wer sich nichts leisten kann, in dieser Gesellschaft auch nichts zählt. Die Obdachlosen werden mit Gewalt aus dem öffentlichen Raum getrieben – wie zuletzt im Tiergarten – oder dieser für sie unbenutzbar gemacht. Die kapitalistische Normalzustand ist dabei so perfide, dass für die schöne Oberfläche oder „Recht und Ordnung“ Menschen von der Bildfläche verbannt und in der Marktlogik Todesopfer eben einkalkuliert werden.

Berliner Goldminen

Seit der Finanzkrise 2007ff. legen InvestorInnen vermehrt Geld in Betongold an, also investieren in Grundbesitz und jagen so die Preise in die Höhe. Die Berliner Stadtregierung scheint das neuerdings zu stören und sie verspricht deshalb, ein paar billige Wohnungen bauen zu lassen. Dabei sollten wir jedoch nicht vergessen, dass der frühere rot-rote Senat unter Klaus Wowereit massenhaft landeseigene Wohnungsbaugesellschaften verscherbelt hat und die verbliebenen dazu verpflichtet wurden, jetzt genauso schamlos wie die privaten ordentlich Profite einfahren.Es war ausgerechnet die frühere rot-rote Regierung, die so einen Grundstein für die neoliberale Umgestaltung der Wohnungspolitik gelegt hat.
Verwundern sollte das keinen, denn immerhin ist der Staat in erster Linie dafür da, die Rahmenbedingungen der Profitmacherei zu garantieren. Es ist seine Kernaufgabe, das Privateigentum an Grund und Boden zu schützen, um Mieteinahmen zu ermöglichen. Deshalb lässt auch eine rot-rot-grüne Regierung gerne zwangsräumen. Daher sollte wir uns auch vom aktuellen Senat nicht allzu viel versprechen: Auch er will sich in der Standortkonkurrenz behaupten. Das heißt momentan vielleicht, ein bisschen kosmetisch Politik im Interesse der MieterInnen zu machen, um den sozialen Frieden zu erhalten. Letztendlich entscheidend ist aber die Attraktivität fürs Kapital. So wird auch der Google Campus umgarnt, werden auch anderen Tech-Unternehmen Versprechen gemacht, auch wenn das auf Kosten der MieterInnen geht. Denn so präsentiert sich Berlin als Standort für künftige Investitionen: Arm, aber sexy fürs Kapital.

Brave New Work

Doch auch sonst ist nicht alles Google, was glänzt. Für viele gilt die Arbeit in einem Start-up als ausgesprochen attraktiv und ansprechend – in den Google-Headquartern hält man Meetings auch gerne mal im Bällebad bei anschließender Massage ab, so heißt es zumindest. Doch im digitalen Kapitalismus ist das nur die einladende Startseite. Dahinter stehen Clickworker und prekäre Arbeitsbedingungen, hire-and-fire ist gängige Praxis, und selektive Verteilung von Boni nach Gruppenerfolg verhindern Solidarität und gemeinsame Organisierung. Diejenigen, die das Bällebad putzen, können von firmeneigenem Nahverkehr oder von Kinderbetreuung nicht einmal träumen.
Wenn Google dabei herausposaunt, dass sich auch Nachbarschaftsvereine bei ihnen treffen können, verschweigt das Unternehmen dabei, dass Kollektive aus der Gegend wie die Friedel54 geräumt werden. Die eigentliche Vision von Google und den anderen großen Tech-Konzernen geht jedoch noch viel weiter. Ihre Vorstellung ist die einer total vernetzten, vollständig überwachten und komplett automatisierten „Smart-City“. In Toronto etwa wurde schon ein größerer Teil der Stadt von Googles Tochterfirma „Sidewalk Labs“ erworben. Stadtteile und ganze Städte sollen vollständig privatisiert und nach den Bedürfnissen des digitalen Kapitalismus umgestaltet werden. In dieser Version einer Stadt ist überhaupt kein Platz mehr für unproduktives Dasein oder unbeobachtete Nischen. Aber auch Politik als kollektiver Streit um die Formen des Gemeinwesens soll es hier nicht geben. Stattdessen sollen wir vollständig erfasst und die Koordination der Gesellschaft soll durch Algorithmen und den Markt übernommen werden.

Do The Red Thing! Für das selbstbestimmte Leben ohne Staat, Nation und Kapital

Darauf haben wir keinen Bock! Wir wollen eine Gesellschaft, die ihre Zwecke bewusst bestimmt und ihre Städte solidarisch einrichtet, anstatt sich von den Zwängen und Krisen der Verwertung, des Privateigentums oder vom Staat herumschubsen zu lassen. Wir wollen eine Stadt, in der Technologie die Befreiung von Zwängen bedeutet. Sie soll uns bei der Vermittlung von Bedürfnissen helfen und uns Arbeit ersparen, ohne im gleichen Moment unsere Existenz zu bedrohen.
Dazu müssen wir Google und Co vergesellschaften. Nur wenn Wissen und Daten in gesellschaftlichem Besitz sind, können wir gleichberechtigt unsere Zukunft aushandeln. Gleiches gilt übrigens auch für den Privatbesitz an Grund und Boden. Solange die kapitalistische Konkurrenz über unseren Wohnraum bestimmt, wird es ihn nicht bedingungslos für alle geben. Erster Schritt dahin: den Google Campus verhindern! Als Absage an die Gentrifzierung und eine kapitalistische Smart City.

Nutzt die berlinweiten ZUSAMMENSETZEN-Aktionstage vom 4. bis zum 14. April 2018 für eigene Aktionen gegen die kapitalistische Stadt oder kommt am 6. April um 18 Uhr zur Lärmstunde gegen den geplanten Google-Campus. Treffpunkt: Kreuzung Paul-Linke-Ufer / Ohlauer Strasse in Kreuzberg.

Kommt am 14. April um 14 Uhr in den „Google Campus verhindern“-Block auf der Demonstration „WIDERSETZEN – Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“ am Potsdamer Platz!

Diskutiert mit uns am 19. April auf der "Infoveranstaltung gegen Gentrifizierung und Überwachung". Ab 20 Uhr läd #wastun zur Podiumsdiskussion ins Zilona Gora, Grünbergerstr. 73, 10245 Berlin.

Feiert mit uns gegen Google und Co am 21. April in der K9, Kinzigstr. 9, 10247 Berlin.

Informationen
Demonstration
von

Datum & Uhrzeit

14.04.2018 - 14:00

Ort

Berlin