Kritik der politischen Ökonomie - feministisch gelesen

mit Hanna Meißner

Was kann die marxsche Kritik der politischen Ökonomie zur Analyse der Geschlechterverhältnisse beitragen? Diese Frage wurde in Teilen der feministischen Debatten lange intensiv und kontrovers diskutiert, ist allerdings in der jüngeren Vergangenheit etwas in den Hintergrund getreten. Ausgehend von Diskussionen um poststrukturalistische und queer/feministischen Theorien, lohnt sich allerdings eine erneute Re-Lektüre der marxschen Texte. Marx bietet für (feministische) Gesellschaftskritik ein wichtiges Instrumentarium, da er mit der kapitalistischen Produktionsweise einen historischen Strukturzusammenhang erkennbar macht, der unserem In-der-Welt-Sein (auch in seiner vergeschlechtlichten Dimension) bestimmte Formen und Dynamiken vorgibt und spezifische Hierarchisierungen sowie versachlichte Herrschaftsverhältnisse hervorbringt.  Interessant ist dabei nicht so sehr das, was Marx selbst zum Verhältnis von Männern und Frauen und zur geschlechtlichen Arbeitsteilung geschrieben hat. In einer Lektüre von Marx nach Judith Butler (und Michel Foucault) lässt sich argumentieren, dass auf der analytischen Abstraktionsebene, auf der Marx die Strukturen der kapitalistischen Produktionsweise rekonstruiert, gar keine Aussagen über Geschlechterverhältnisse oder Heteronormativität möglich sind. Wird dies als (notwendige) Grenze der marxschen Analyse gelesen, dann lassen sich Anschlüsse zu einer queer/feministischen Perspektive eröffnen.

Informationen
Vortrag
von

Datum & Uhrzeit

12.11.2013 - 19:00

Ort

Franz-Mehring-Platz 1
Berlin