L`Insurrection et moi

Staatspleiten, Eurokrise und (k)ein Aufstand
L'insurrection et moi
Mit Tiqqun (französisches Autor_innen-Kollektiv), Terminal 119 (antinationale Gruppe aus Griechenland), TOP B3rlin

Als 2008 die Investmentbank »Lehman Brothers« Pleite ging und eine internationale Finanzkrise ausbrach, hofften viele Linke, dass nun die Zeit für eine neue antikapitalistische Bewegung gekommen sei. In der Tat deutete einiges darauf hin, dass die »versteinerten Verhältnisse« (Marx) aufbrechen würden. In Feuilleton und Talk-Shows wird plötzlich aufgeregt über die Schwächen des »Kapitalismus« und die Unmoral der »Märkte« und »Banker« debattiert.

Inzwischen droht gleich mehreren EU-Ländern die Staatspleite, die weltweite Konjunktur schwächelt, Angst vor einer tiefen Rezession greift um sich – doch der große Aufstand ist ausgeblieben. In arabischen Ländern streiten Hunderttausende für demokratische Reformen, Kritik an kapitalistischer Verwertung, Eigentum und Ausbeutung bleibt hingegen die absolute Ausnahme. Soziale Proteste in Griechenland, Spanien und anderen europäischen Ländern zeigen sich überwiegend in nationalen und staatlichen Formen befangen. Die Riots in London und anderen Städten Englands offenbaren neben berechtigter Wut auch radikale Ohnmacht und agressiven Nihilismus.

Beim (Noch-)Krisen-Gewinner Deutschland herrscht Burgfrieden, gestützt durch Krisennationalismus, Sozialchauvinismus und Rassismus. Mit dem Kampfbegriff der »Integration« wird alles rund geschliffen, was Deutschlands »Zukunftsfähigkeit« in der globalen Konkurrenz im Weg stehen könnte. Am 'Tag der Deutschen Einheit' 2011 in Bonn geht's einmal mehr darum, den »Zusammenhalt Deutschlands zu stärken« (Hannelore Kraft), damit der kapitalistische Verwertungsprozess auch weiter so reibungslos läuft.

An dieser nationalen Mobilmachung beteiligen wir uns nicht. Stattdessen wollen wir mit unserer Veranstaltung die Brüche und Widersprüche der nationalen Krisenpolitiken ausloten. Was ist von der antikapitalistischen Hoffnung geblieben? Welche Rolle spielen Ideologien für die Art und Weise wie die Krise verarbeitet wird? Was sind die Aufgaben einer linken Bewegung, die den Kapitalismus nicht einfach nur zerschlagen, sondern in Form einer humanen Gesellschaft aufheben will?

Es diskutieren:

TIQQUN, französisches Autor_innen-Kollektiv, das sich als »Instrument der Anonymisierung im Dienste einer Position« versteht. Mit ihrem poetischen Stil und politisch radikalen Engagement steht die Gruppe in der Tradition der Situationisten und des Lettrismus. Ihre Texte sind von der Philosophie des Postrukturalismus und Dekonstruktion beeinflusst. Tiqqun wird auch mit dem Buch »Der kommende Aufstand« in Verbindung gebracht.

TERMINAL 119, antinationale Gruppe aus Griechenland, engagiert sich seit dem Jahr 2005 unter dem Motto »Für soziale und individuelle Autonomie«. Sie beschäftigt sich mit Fragen der Staats- und Nationalismuskritik und engagiert sich gegen Homophobie und Sexismus. Terminal 119 geben eine Zeitschrift heraus, organisieren Diskussionsveranstaltungen und beteiligen sich an Demonstrationen.

TOP B3RLIN, kommunistisches Projekt gegen alles Böse, entstammt der (Post-)Antifa Szene. Neben linksradikaler Bewegungspolitik betont die Gruppe die Notwendigkeit theoretischer Reflexion und einer Wiederaneignung kritischer Gesellschaftstheorie im Anschluss an Marx. TOP Berlin ist im bundesweiten »…umsGanze!«-Bündnis organisiert und Teil des Berliner »Bündnisses gegen Rassismus und Sozialchavinismus« (BgRS).

Informationen
Diskussionsveranstaltung
von und mit

Datum & Uhrzeit

25.09.2011 - 19:30

Ort

Clash
Gneisenaustr. 2a
10961
Berlin