Materialize: Feminism

Symposium zum Frauen*kampftag 2018

Materialize bedeutet Manifestieren, Verstofflichen, Gegenständlich machen - das ist unser Anspruch an feministische Theorie und Praxis. Wir wollen nicht nur einen Feminismus, der uns von Geschlechterrollen befreit, sondern auch einen, der von Grund auf kritisiert, was besteht: Staat, Kapitalismus, Patriarchat. Derzeit sieht es düster aus, denn Privatwirtschaft, etablierte Politik und Popkultur vereinnahmen sämtliche emanzipatorischen Forderungen. Feminismus ist jetzt en vogue, man kann ihn konsumieren und damit Karriere machen. Diese neuartige Liaison von Feminismus mit den bestehenden Verhältnissen ist uns ein Dorn im Auge. Aus dem Blick gerät die Totalität der kapitalistischen Gesellschaft, die Frauen* noch immer strukturell und allumfassend benachteiligt. Noch heute ist unser Leben geprägt von einem Geschlechterverhältnis, welches sich von den Chefetagen großer Unternehmen bis hin zur eigenen Zweierbeziehung durchzieht. Materialize steht daher für eine radikale Gesellschaftsanalyse, die substanzielle Fragen stellt: Wie vollzieht sich die kapitalistische Landnahme vom Feminismus? Wie lassen sich Staat und Ökonomie feministisch kritisieren? Wie relevant ist materialistischer Feminismus überhaupt noch in Zeiten von postmoderner Theorie?

Im Rahmen des Frauen*kampftages 2018 veranstalten wir deshalb ein Symposium mit Workshops und Diskussionen rund um materialistischen Feminismus. Mit Referent*innen wie Andrea Trumann, Roswitha Scholz u.a. wollen wir Perspektiven für einen materialistischen Feminismus eröffnen und manifestieren.

Und im Anschluss lädt die Interventionistische Linke Berlin zur Party CHOOSE:feminism - Ein unschlagbares Paket.

Programm

18:15 | Begrüßung und Einleitung
18:30-20:00 | Workshops
- „Theorie und Praxis des materialistischen Feminismus“ mit Friederike Beier

Die Kritik am Patriarchat mit der Kritik des Kapitalismus zusammen zu denken ist keineswegs neu und fester Bestandteil feministischer Theorie und Praxis. Der Workshop führt in Hintergründe, Ziele und Anliegen des materialistischen Feminismus ein. Im Anschluss gibt es die Gelegenheit über aktuelle Phänomene, wie die Vereinnahmung feministischer Positionen durch den Neoliberalismus oder Gleichstellungspolitiken zu diskutieren.

- „Kritik an der Identitätspolitik Judith Butlers" mit Andrea Trumann

Seit Mitte der 90er Jahre prägt die Queer-Theorie, wesentlich durch Judith Butler, die bundesdeutshe Debatte. Ihre Idee die dichotome Zweigeschlechtlichkeit zu dekonstruieren, eindeutige Identitätszuschreibungen in Frage zu stellen und „so viele Geschlechter wie Individuen“ auszumachen wirkte auf viele Feministinnen befreiend. In den letzten Jahren ist jedoch von Butlers Identitätskritik kaum etwas übrig geblieben, vielmehr kann man eine Vervielfältigung der Identitäten beobachten. Überall wird der Ausschluss gewittert und autoritär verfolgt.

- „Verführte Kinder, wunderbare Unterschiede und die heilige Familie. Der antifeministische Kampf der neuen Rechten“ mit TOP B3RLIN

Mit der 120 Dezibel Kampagne der Identitären Bewegung oder dem sogenannten „Frauenmarsch“, die die AfD Politikerin Leyla Bilgin in Berlin veranstaltete, stehen rechte Frauen gerade im Rampenlicht. Fast scheint es als sei die neue Rechte emanzipierter als ihre verstaubten Vorbilder. Zumindest wenn wir dem „rechter Feminismus?“-Gelaber der deutschen Medien glauben wollen. Doch weit gefehlt. Ob in vorbildlich rechts-konservativer Manier über die gefährdeten „wunderbaren Unterschiede“ von Mann und Frau geweint oder Frauen* in Parteiprogrammen lediglich als Mütter angesprochen werden – Antifeministische Politiken im rechten Hegemonieprojekt sind deutlich sichtbar. Und mobilisieren einige Wähler*innen. Im Workshop wollen wir einen Überblick über antifeministische Kämpfe der neuen Rechten geben, erklären wie diese funktionieren und zeigen warum sie strategisch so wichtig sind. Ein besonderer Augenmerk wird auf rechten Frauen* und Täuschungsversuchen durch rechte Frauenrechte und weibliche Gesichter rechter Gruppierungen und Parteien liegen. Was für Gefahren birgt der Fokus auf Frauen*rechte und welche feministischen Kämpfe können der autoritären Zuspitzung etwas entgegen setzen?"

- "HIS-tory: Über die Dringlichkeit feministischer Klassenkämpfe gegen die Ideologie des Neoliberalismus" mit Antifa AK Köln

Bereits mit dem Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus erlitten Frauen* einen einzigartigen Prozess der Degradierung, der bis heute für die Kapitalakkumulation von Bedeutung ist. Um zu begreifen, dass Kapitalismus, Patriarchat und weibliche Ausbeutung sich gegenseitig bedingen, reicht alleine ein Blick auf die Näher*innen in Bangladesch, die die T-Shirts mit feministischen Slogans produzieren, die es hierzulande zu kaufen gibt. Wir werden diese „Erfolgsgeschichte des Kapitalismus“ im Bezug auf patriarchale Herrschaft näher beleuchten.

20:00-22:00 | Podiumsdiskussion
mit Roswitha Scholz, Andrea Trumann, Lisa Yashodhara Haller und Antifa AK Köln
22:00 | Liebe im Kapitalismus mit dem Tippel-Orchestra
23:00 Mobfoto!

Informationen
Kongress
von

Datum & Uhrzeit

09.03.2018 - 18:15

Ort

Storkower Straße 121
10407
Berlin
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