Das Kreuz mit der Reaktion

Veranstaltungsreihe gegen den „Marsch für das Leben“ 2015

Für den 19. September 2015 mobilisiert der Bundesverband Lebensrecht (BVL) wieder zu einem „Marsch für das Leben“ in Berlin. Der Marsch ist einer der wichtigsten öffentlichen Auftritte der selbsternannten „LebensschützerInnen“ und verbindet eine breite reaktionäre, antifeministische und fundamentalistische Bewegung, die sich im Rahmen dieser jährlichen Veranstaltung kontinuierlich verfestigt. Wie in den vergangenen Jahren wollen wir die Abtreibungs-GegnerInnen nicht ungestört ihre antifeministischen und reaktionären Positionen verbreiten lassen! Wir werden für körperliche Selbstbestimmung demonstrieren und anschließend den „Marsch für das Leben“ blockieren!

Auch wenn sich die „LebenschützerInnen“ oft als harmlose Gläubige darstellen, sind sie das keineswegs. Im Gegenteil: Reaktionärer Fundamentalismus ist eine reale Gefahr. Er ist es als christlich fundamentalistische „Lebensschutz“-Bewegung und er ist es als reaktionäre Bewegung von Rechtspopulist_innen und Rechtsradikalen. Wir müssen den „Marsch für das Leben“ als das verstehen, was er ist: Keine harmlose Prozession von Christ_innen, sondern ein direkter Angriff auf die sexuelle und körperliche Selbstbestimmung von FLTI*s und allen Menschen, die sich keinem reaktionären, nationalistischen und rassistischen Gesellschaftsbild beugen wollen! Diesem Angriff werden wir uns entschlossen entgegenstellen! Deshalb rufen wir dazu auf, sich an der Demonstration zu beteiligen und anschließend den “Marsch” der FundamentalistInnen zu blockieren und zu sabotieren!

Antifaschistische und queerfeministische Demonstration: 19. September 2015, 11 Uhr, S Anhalter Bahnhof (Bahnhof verfügt über einen Fahrstuhl)

Im Vorfeld wollen wir uns aber auch im Rahmen von drei Veranstaltungen mit dem konkreten Gedankengut das sich dort versammelt auseinandersetzen.

// Veranstaltung 1//

„Ein Volk stirbt im Mutterleib“: Reaktionäre Bewegung und der „Marsch für das Leben“

Antifeminismus, Homophobie, die Betonung eines konservativen Familienmodells und ein Kampf gegen den sogenannten „Genderismus“ sind typische Elemente eines reaktionären Denkens. Beim „Marsch für das Leben“ sind sie zwar die nach außen getragenen Dominanten, treten aber so gut wie nie alleine auf, sondern sind Teil eines reaktionären Tickets. Dieses „Inventar der Parolen“ beschränkt sich nicht auf die oben genannten Ideologeme, sondern beinhaltet oft Rassismus, Sozialchauvinismus und Nationalismus und geht einher mit Autoritätsfixiertheit. Kurz: es ist anti-egalitär. Vom distinguierten Kommentar in der FAZ bis zum Gegröle der Hogesa-Trottel vereint es alles, was der Emanzipation im Weg steht und muss dementsprechend zusammen betrachtet und ebenso bekämpft werden.
In der Veranstaltung wollen wir uns also nicht nur mit personellen Überschneidungen in reaktionären Milieus beschäftigen, sondern vor allem die geteilten Inhalte herausstellen, die den „Marsch für das Leben“ in den Kontext anderer reaktionärer Tendenzen rückt.

//Ort/Zeit: //
Montag, der 31.08.15 in der B-Lage, Mareschstr. 1, Neukölln um 19:30 Uhr
Referent_innen: Sebastian Friedrich und Juliane Lang

//Veranstaltung 2//

„Mit Tod und Teufel“: Christlicher Fundamentalismus und der „Marsch für das Leben“

Im Umkreis der 'Märsche für das Leben' finden sich neben reaktionären Bewegungen auch eine Vielzahl von christlichen Gruppierungen. Von CDU Politiker_innen, den 'Christdemokraten für das Leben', über katholische und evangelische Gemeinden bis zu Evangelikalen, die durch eine wort­ge­naue Bi­bel­aus­le­gung, den Glau­ben an den stra­fen­den Gott, ag­gres­si­ve Mis­si­ons­ar­beit, ihre Kla­gen über die Zer­stö­rung der tra­di­tio­nel­len Fa­mi­lie und ihre Äu­ße­run­gen gegen Ho­mo­se­xua­li­tät von sich reden ma­chen sind hier alle vereint. Warum laufen hier Gruppen, die sich scheinbar der egalitären Nächstenliebe verschrieben haben einträchtig mit streng konservativen Christen, die aus ihren Verbindungen zu us-amerikanischen Gruppen, die gegen den 'Mord an ungeborenem Leben' auch gerne Mal mit Mord vorgehen, keinen Hehl machen.
Bei dieser Veranstaltung soll es nicht um eine Nachzeichnung der Entstehung verschiedener christlicher Sekten gehen, sondern es sollen vielmehr die inhaltlichen Überschneidungen und Unterschiede ausgelotet werden um zu einer differenzierten Kritik zu kommen.

//Ort/Zeit://

Donnerstag, der 10.09.15 im k-fetisch, Wildenbruchstr. 86, Neukölln um 19:30 Uhr
Referentin: Jennifer Stange

 

//Veranstaltung 3//

„Sabotieren, Demonstrieren, Blockieren?“: Proteste gegen reaktionäre und antifeministische Bewegungen

Während Nazidemos inzwischen oft von breiten Bündnissen sabotiert, blockiert oder zumindest kommentiert werden, können reaktionäre und antifeministische Kräfte ungestört agieren, das Mobilisierungspotential von Gegenveranstaltungen bleibt begrenzt. Der „Marsch für das Leben“ war lange eine solche Veranstaltung und bekommt auch nach Jahren der Gegenmobilisierung immer noch nicht die Aufmerksamkeit, die er verdient. Anschließend daran gilt es sich zu fragen: Was sind die Widerstände, sich reaktionärem Treiben mit der gleichen Vehemenz in den Weg zu stellen, wie „richtigen Faschisten“? Welche Strategien können Wege dahin öffnen? Warum bekommen wir unsere radikale Kritik nicht auf die Straße? Das wollen wir im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Aktivist_innen diskutieren, die gegen u.a. die „Märsche für das Leben“ oder die AFD mobilisiert haben.

//Ort/Zeit://

Freitag, der 18.09.2015 - 19:30 Uhr im Größenwahn in der K9, Kinzigstr. 9, Friedrichshain
Referent_innen: gruppe polar Dresden, Basisgruppe Antifaschismus Bremen, wtf-Bündnis Berlin und andere