Zum Geburtstag wünsch' ich mir, dass ihr aufhört zu Atmen.

19.10. Alle nach Dresden!

Und wöchentlich grüßt der Dresdner. Es war noch nicht lange her, da dacht man, wenn man den größten europäischen und dann nur noch deutschen Naziaufmarsch verhindert hat, man könne die Stadt an der Elbe einfach mal rechts liegen lassen und sich anderen Sachen widmen. Der Krise in Griechenland, den Refugeeprotesten, dem Kommunismus. Fehlanzeige. Das Geltungsbedürfnis der Hauptstadt des Rumopfers ist ungebrochen.
Was im Herbst letzten Jahres unter dem an Reiseunternehmen anmutenden Akronym Pegida mit ein paar Hundert Montagsdemonstranten begann, „spaziert“ nun seit einem Jahr wöchentlich mit mehreren tausend besorgten Nazibürgern, Rassisten und Hooligans und Neonazis durch die Dresdner Innenstadt. Seitdem ging das Jahr schnell rum. Nicht eine Woche ohne Anschläge auf Flüchtlingslager, Übergriffe, Progromstimmung und Aufmärsche des deutschen Mobs. Nicht eine Woche ohne Gegenproteste, Antifa-Strafexpeditionen in Käffer, deren Namen man nie wissen wollte, aber auch praktischer Solidarität mit Geflüchteten in den Lagern oder an den Grenzen.

Pegida und die verwandeten „Nein-zum-Heim“ Proteste sind mittlerweile zum festen Standbein deutscher Realpolitik geworden. Der Mob treibt dabei die politische Elite vor sich her. Nicht eine Regierungsprominez außer der Mutti? die nicht versucht hätte den „besorgten Bürgern“ Tribut zu zollen. Für Pegida macht Seehofer den Orban, DeMaiziere spielt anstelle der Chefin den Bad Cop und Gabriel datet gleich privat mit Bachmanns Jüngern. Die aktuellen Verschäfungen des Asylrechts erfüllt dabei einen Großteil der Forderungen des Mobs: spezielle Abschiebelager für Roma, Ausweitung der angeblich sicherer Herkunftsländer, … Was diesen jedoch wenig kümmert, frei nach dem Motto: jeder Nichtdeutsche ist ein Nichtdeutscher zuviel. Da hilft auch keine „spezielle Polizeieinheiten für straffällige Asylbewerber“ der sächsischen Landesregierung. Derweil können in Sachsen Nazis und Bürger Hand in Hand vermeindliche politische Gegner, Journalisten und Geflüchtete angreifen und bedrohen, natürlich ohne mit Repression rechnen zu müssen. In Freital, Schneeberg und Heidenau regiert der Mob in erster Instanz.
Das „Septembermärchen“, in dem sich die Nation am Münchner Bahnhof mit Wasserflaschen und Kuscheltieren als „Weltmeister der Hilfsbereitschaft“ inszeniert, täuscht nicht darüber hinweg das in Deutschland die 90er wieder vor der Tür stehen und länger bleiben wollen. Das bewusste Versagen des Staates bei der Aufnahme von Geflüchteten kann dabei nicht durch ziviligesellschaftliches Engagement kompensiert werden. Stattdessen müssen Staat, Nation und Kapital zur Verantwortung gezogen werden. Wer weltweit zündelt, Waffen wie Heu exportiert, Wirtschaftskriege führt und damit die Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen zerstört, mit diesem Geschäftsmodell deutschen Kapitalismus und seinen Vertretern kann es keine Lösung geben.
Dem deutschen Ronny, der von all dem nichts wissen will, der selbst in der repressiven „Zuwendung“  des Staates für Geflüchtlinge sich um seine Fürsorge betrogen wähnt, dem ist nicht zu helfen. Readucation für die autoritären Charaktäre von Pegida&Co. kann nur in Handarbeit bestehen. Und es wird Zeit. Das noch keine Geflüchteten oder deren Unterstützer durch den rechten Terror des letzten Jaheres umgekommen ist reines Glück. Ein zweiter Geburtstag für Pegida ist keine Option.

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