From Berlin with Love: #googlecampusverhindert

Google ist kein guter Nachbar, schallt es seit einem Jahr durch Kreuzbergs Straßen, und damit hat man sich offenbar Gehör verschafft. In  einer aufwendigen Dramaturgie von Pressemitteilung, Pressekonferenz und  Schlüsselübergabe hat Google gestern verkündet, dass der Google Campus in Kreuzberg (vorerst) nicht eröffnet. Stattdessen werden  betterplace.org und Karuna die Räume des Umspannwerkes beziehen. Für  fünf volle Jahre, von Google finanziert. Ein Erfolg? Auf jeden Fall.  Doch es lohnen sich ein paar Anmerkungen dazu.

Wie die meisten Internetkonzerne ist Google ungemein auf sein Image bedacht und angewiesen. Bodenständig, divers und innovativ möchte man nach außen wirken: capitalism with a friendly interface. So wurde auch  der Google Campus als Raum des Austausches und der Vernetzung  vermarktet, ein kleines Schielen auf die angebliche Tech-Utopie in San  Francisco. Doch wer genau hinsieht, weiß längst um die extreme Umgestaltung des urbanen Lebens in SF, die enormen Mietpreissteigerungen, die grassierende Wohnungslosigkeit. Alles Dinge über die Ralf Bremer und Rowan Barnett, der Pressesprecher und der  Start-Up-Stratege von Google, lieber schweigen. Sie versuchen die Absage  des Google Campus unter einer eilig, aber dick aufgetragenen Schicht Greenwashing vergessen zu machen und erzählen von der Einsicht, dass  Kreuzberg ja Flächen für ‘die Gemeinschaft’ so dringend benötige. Warum  man dann überhaupt einen Campus an den Start bringen wollte, rutscht en  passant unter den Tisch. Aber auch Ramona Pop, Wirtschaftssenatorin,  freut sich über die Lösung, hatte sie in einem Interview doch kürzlich  erst ein ‘nachhaltiges Start-Up Ökosystem’ gefordert. Gegen den Google Campus hatte sie jedoch kaum Einwände, ebenso wenig wie gegen den sich  ankündigenden „Innovations-Campus“ Siemensstadt. So bleibt der  engspurige Kurs eines Großteils von R2G weiterhin, Berlin in der  Standortkonkurrenz fit zu bekommen, mit dem Ziel, ein kleines Silicon Valley entstehen zu lassen. In dessen Nähe, in San Jose, gab es übrigens erst kürzlich erneute Proteste gegen die berüchtigten Google-Busse, mit  solidarischen Grüßen nach Berlin.

Der Widerstand organisiert sich, die Aktionen befeuern sich über die einzelnen Standtorte hinaus, anstatt isoliert zu verpuffen. Auch das hat Google sicherlich registriert. Und so gehört die Delegitimierung von Protesten ebenfalls zum Image-game von Google: Mit Widerstand soll die Absage des Campus nichts zu tun haben, von denen ließe man sich nichts  diktieren, sagt Bremer. Die Weitergabe des Umspannwerkes ist also nicht dem Einsatz unzähliger Aktivistinnen und ihren Veranstaltungen, Texten, Demos, Aktionen und Besetzungen zu verdanken, die dem Image Googles erhebliche Wunden geschlagen haben, sondern einer spontanen Einsicht im  Mountain View? Ein derartiges Vertrauen auf Corporate Social Responsibility überlassen wir als MarxistInnen lieber den  ChefideologInnen des Liberalismus. Für deren Berliner FDP-Kopf Czaja ist  die Absage übrigens ein Disaster, die Botschaft an Investoren laute nun  „Kommt bloß nicht nach Berlin, erst recht nicht nach Kreuzberg.“ Dem können wir durchaus zustimmen. Dass er aber von „kiezbezogenem Nationalismus“ schwadroniert, um die begründeten Proteste von  Anwohnerinnen und Initiativen plump zu diskreditieren, zeigt nur eines: Getroffene Hunde bellen – kein Mensch im Kiez, der einen schlechten Verlierer nicht erkennt.

#googlecampusverhindern #countercampus #fuckoffgoogle