„Ausgerechnet Bananen!“

Zu Scheitern und Zukunft des Kommunismus
Mit Christian Schmidt (Leipzig) diskutiert die antifa [f] (Frankfurt/M.) und TOP B3rlin.

20 Jahre nach dem Fall der Mauer feiert sich die Berliner Republik als Reich der Freiheit. Zwar sind die ideologischen Versprechen von ‘89 längst abgelaufen. Der Sieg des Kapitalismus hat keinen ewigen Frieden gebracht. Statt dessen hat er weltweit neue Ohnmacht, neue Ausgrenzung und neue Verzweiflung produziert. Doch nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus erscheinen die Zwänge der kapitalistischen Konkurrenz als absolut alternativlos. ‘Freiheit’ ist hierzulande nur noch denkbar als liberale Staatsbürgertugend, als ideale Mitte zwischen endlosem Verdrängungswettbewerb und sozialstaatlichem Lastenausgleich. Gerade in der Krise bestätigen sich die beiden grundlegenden Herrschaftsinstanzen - Staat und Kapital - wechselseitig ihre Unverzichtbarkeit. Die Einheits- und Freiheitsfeiern 2009 dienen vor allem der nationale Ertüchtigung für das endlose Hauen und Stechen der Weltmarktkonkurrenz. Sie bespiegeln die Deutschen als einiges Volk, das übermächtige Herausforderungen mutig meistert. Im Rückblick auf die miefige DDR und den euphorischen Wendeherbst soll deutlich werden, wie weit ‘wir’ uns von einer problematischen Vergangenheit gelöst haben, und wie weit ‘wir’ fortgeschritten sind in die Zukunft deutsch-europäischer Normalisierung und Wohlstandssicherung.

Auch die radikale Linke wurde durch den Zusammenbruch des sozialistischen Blocks nachhaltig geprägt. Ihre Kritik hat sich während der letzten 20 Jahre in doppelter Abgrenzung entwickelt: einerseits gegen den erneut globalisierten Kapitalismus („Neoliberalismus“), andererseits gegen einen zu Recht als autoritär und etatistisch verworfenen Realsozialismus. Doch Angesichts der bezwingenden Alternativlosigkeit des Kapitalismus haben weite Teile der radikalen Linken ihre eigene Ohnmacht zum theoretischen Fundament ausgebaut. Gleichzeitig laufen reformistische Strömungen seit 20 Jahren erfolglos dem Block der realpolitischen Mitte hinterher.

Mit unserer Podiumsdiskussion wollen wir diese unbefriedigende Situation gründlich analysieren. Es geht um die Stellung des Politischen im Realsozialismus, und um die Niederlage in der Niederlage von 1989. Es geht aber auch um die ideologische Struktur des gegenwärtigen Gedenk- und Kulturnationalismus, und um mögliche Organisations- und Widerstandsformen. Wo gegenwärtig nur zielloser Verwertungszwang herrscht, soll aus der Erinnerung an einen künftigen Kommunismus neue politische Spannung gewonnen werden. Dazu müssen zentrale Konzepte der radikalen Linken überprüft werden: eben das „Politische“, eben „Kommunismus“, und eben „Freiheit“.

Das alles als warm up für die antikapitalistisch-antinationale Demonstration am nächsten Tag.

Informationen
Podiumsdiskussion
von

Datum & Uhrzeit

06.11.2009 - 20:15

Ort

HS2002
Unter den Linden 6
10099
Berlin

Achtung: die VA ist verlegt in HS2002